Wer an Eisenach denkt, hat meist sofort die Wartburg oder Martin Luther im Kopf. Doch die Stadt birgt noch ein ganz anderes, mächtiges Erbe: Sie ist eine der Wiegen der deutschen Automobilindustrie. Bei meinem jüngsten Besuch wollte ich genau diese Seite erkunden und habe mir die Ausstellung „automobile welt eisenach“ (AWE) in der historischen Osthalle des ehemaligen Hauptwerkes angesehen.
Eines vorweg: Der Ausflug lohnt sich nicht nur für eingefleischte Oldtimer-Fans, sondern für jeden, der wissen möchte, wie aus pferdelosen Kutschen die moderne Mobilität entstanden ist.
1. Von den Anfängen bis zur Rüstungsproduktion
Schaut man sich das große Werksmodell im Museum an, wird einem erst einmal bewusst, wie riesig dieses Fabrikgelände früher war. In jeder Halle wurde an einem anderen Puzzlestück gearbeitet.
Schon um 1898 liefen hier die ersten Fahrzeuge vom Band – damals sahen sie tatsächlich noch aus wie umgebaute Postkutschen mit Motor. Später erlangte der Standort unter der Marke Dixi Weltruhm, bevor BMW das Werk übernahm. Neben den Autos fertigte das Werk in den Kriegsjahren auch schwere Wehrmachts-Motorräder und leistungsstarke Flugzeugmotoren. Die ausgestellten Triebwerke und Zweiräder zeigen eindrucksvoll, mit welcher Präzision – aber auch unter welchen harten Bedingungen – damals gearbeitet wurde.
2. Die Wartburg-Ära: Eleganz und Alltagsklassiker
Das Herzstück der Halle ist natürlich die DDR-Zeit. Nach der Enteignung und einer kurzen Phase als EMW entstanden hier die legendären Wartburg-Modelle:
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Der Wartburg 311: Ein echter Blickfang! Neben der klassischen Limousine und dem verlängerten Camping/Caravan sticht besonders das seltene 311 Sport-Coupé hervor. Mit seinen eleganten Linien war das ein Auto, das man der DDR-Produktion auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte.
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Der Wartburg 353: Der bekannte eckige Klassiker aus dem Straßenbild. Im Museum sieht man spannende Sonderausführungen – etwa die veredelte Version von Irmscher oder die späten Varianten mit dem VW-Viertaktmotor kurz vor der Wende.
3. Die Vitrine der verbotenen Träume (Prototypen)
Mein persönliches Highlight war die Vitrine und die Ausstellungsfläche mit den Prototypen. Die Ingenieure und Designer in Eisenach waren ihrer Zeit oft weit voraus: Schnittige Karosserien, moderne Raumkonzepte und innovative Ideen lagen fertig gezeichnet auf dem Tisch.
Doch die politische Führung stoppte viele dieser Entwicklungen aus Geldmangel oder wegen starrer Planvorgaben. Es ist faszinierend und gleichzeitig tragisch zu sehen, was für tolle Autos hier hätten gebaut werden können, wenn man die Entwickler nur gelassen hätte.
Fazit für den Städtetester
Der Besuch in der „automobile welt eisenach“ ist eine Reise durch die Zeit. Man bekommt enormen Respekt vor dem Handwerk und der Leistung der Menschen, die hier über Generationen hinweg geschraubt und entwickelt haben.


