Ticket-Wahnsinn im Nahverkehr: Guten Morgen Deutschland, wann werdet ihr endlich wach?

Ticket-Wahnsinn im Nahverkehr: Guten Morgen Deutschland, wann werdet ihr endlich wach?

by Ronald Rassmann

Will man heute einfach mal von A nach B fahren, hat man oft das Gefühl, erst mal eine halbe Wissenschaft studieren zu müssen. Nehmen wir ein ganz praktisches Beispiel: Ich will von Gotha nach Amt Creuzburg. Der erste Teil mit dem Zug nach Eisenach Hauptbahnhof läuft. Aber da Amt Creuzburg keinen eigenen Bahnanschluss hat, fängt das Rätselraten an: Entweder mit dem Taxi, oder weiter mit der Buslinie 170 ab dem Bahnhof.

Und genau hier beginnt der Irrsinn.

Das Zwei-Klassen-System beim Ticketkauf

Fahre ich stattdessen mit dem ICE von Erfurt oder Gotha nach Dresden, klappt es doch auch: Da buche ich mein Ticket ganz entspannt online, wähle die City-Option und kann nach der Zugankunft im Stadtgebiet nahtlos mit S-Bahn, Regionalbahn oder Straßenbahn zum Termin oder ins Hotel weiterfahren. Da zahlt man gerne ein paar Euro mehr, hat aber alles aus einem Guss.

Im Regionalverkehr wirst du dagegen im Regen stehen gelassen. Eine durchgehende Fahrkarte mit City-Option für den Anschlussbus? Fehlanzeige.

Zu klein, zu umständlich: Wenn Digitalisierung nervt

Was bleibt also? Entweder man schlägt sich mit einer App herum, bei der man sich erst umständlich registrieren muss, um dann auf einem viel zu kleinen Bildschirm herumzutipseln – für viele schlicht ein Krampf. Oder man versucht es bei der Deutschen Bahn direkt online, wo für solche Regionalverbindungen gar keine vernünftige Lösung angeboten wird.

Also bleibt oft nur der Gang an den Schalter oder Automaten vor Ort:

  • Anstehen, erklären, was man will.

  • Die Mitarbeiter müssen es umständlich eintippen und ausdrucken.

  • Schwupps, sind 5, 10 oder 15 Minuten weg.

Und dann stehst du da und betest, dass der Bus noch wartet – oder du hast Pech, verpasst den Anschluss und stehst am Bahnhof und starrst dir die Beine in den Bauch.

Der Effekt an der Bushaltestelle: Stop-and-Go statt Fluss

Und wer jetzt denkt: „Gut, dann kauf ich das Ticket eben direkt im Bus“, hat den nächsten Knotenpunkt im System übersehen. Wenn jeder erst beim Fahrer ein Ticket erwerben muss und das – wie im Wartburgkreis oft üblich – nur noch mit Karte oder umständlich bezahlt werden kann, hält das den gesamten Busbetrieb auf. Der Fahrer tippt händisch Tarife ein, die Schlange wächst, und der Fahrplan ist Makulatur.

Dabei wäre es so einfach: Ein gültiges, durchgehendes Ticket in der Hand oder auf Papier, beim Einsteigen kurz vorzeigen und der Bus kann rollen. Das ist für alle Seiten schneller, flüssiger und stressfreier.

Fazit und Note

Wo bleibt hier die echte Kundennähe? Warum bekommt man es nicht hin, dass man ein zentrales Bahnticket kauft und den Regionalbus im Umkreis von 10 oder 20 Kilometern einfach direkt mit abdeckt? Wenn selbst ein regionaler Online-Shop des Verkehrsverbunds oder eine vernünftige Integration fehlt, läuft gewaltig etwas schief.

Kundennähe und Kundenservice? Dafür kann man im Nahverkehr leider nur eine klare Note 5 vergeben – und das ist noch wohlwollend.

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